Zum Hauptinhalt springen

Die Konferenz findet vom 21.-24. Februar 2019 in Kassel statt

Über die Konferenz

Wir wollen mit dieser Konferenz vor allem Verbindungen herstellen. Zwischen der "Bildung für Nachhaltige Entwicklung" und der "Kritischen Politischen Bildung", zwischen Schule und außerschulischem Lernen, zwischen individuellem Handeln und gesellschaftlichen Strukturen sowie zwischen Theorie und Praxis. Deshalb haben wir Menschen aus diesen verschiedenen Bereichen zur Konferenz eingeladen.

Für den Austausch und das Programm auf der Konferenz haben wir uns drei Leitfragen gestellt, denen wir gemeinsam nachgehen möchten:

Wie können wir im Kontext von Bildung:

... eine kritische Haltung stärken & Machtstrukturen aufbrechen?
... einen Umgang mit komplexen Zusammenhängen lernen & Ursachen globaler Krisen angehen?
... Emanzipation fördern & Menschen für eine sozial-ökologische Veränderung der Gesellschaft bestärken?

Wir möchten auf der Konferenz dazu einladen, diese Fragen aus vielfältigen Perspektiven anzugehen und zu besprechen. Als Organisationskreis ist es uns dabei ein Anliegen, den ‚Rahmen‘ transparent zu machen, innerhalb dessen wir uns auf die Konferenz Bildung Macht Zukunft vorbereitet haben. Die Grundhaltung, die wir teilen, lässt sich gut über den Titel der Konferenz nachvollziehen:

Bildung Macht Zukunft – Lernen für die sozial-ökologische Transformation?

Von hinten her angefangen. Was genau eine sozial-ökologische Transformation bedeutet, lässt sich nicht von A bis Z ausbuchstabieren. Das widerspräche auch unserem Verständnis von gesellschaftlicher Veränderung als einem Prozess, der davon lebt, dass an vielen Stellen, verschiedene Menschen Alternativen zum bestehenden System entwickeln und ausprobieren, tiefgreifende Politikvorschläge einbringen und gesellschaftliche Gegenmacht aufbauen. Transformation bedeutet für uns eine grundlegende Veränderung unserer Denk-, Lebens- und Produktionsweisen im Globalen Norden, so dass wir die aktuelle ‚imperiale Lebensweise‘ durch eine ‚solidarische Lebensweise‘ ablösen. Das gute Leben Weniger darf nicht länger in derartiger Weise auf Kosten Anderer geführt werden. ‚Sozial‘ und ‚ökologisch‘ dient dabei als Kompass, der die Richtung anzeigt, in die wir gehen wollen.

Wir stehen Positionen und Akteuren im Bereich der Nachhaltigkeit kritisch gegenüber, die Lösungen für ökologische und soziale Krisen allein in Technologie sehen und gesellschaftliche und wirtschaftliche Grundstrukturen dabei nicht in Frage stellen. Positionen, die auf Ausgrenzung und Nationalismus setzten, lehnen wir ab.

Die Rolle von Bildung im Kontext gesellschaftlicher Veränderung ist eine viel diskutierte und zwiespältige. Einerseits wird viel Potenzial darin gesehen, über Bildungsangebote Denk- & Verhaltensweisen zu verändern und Lösungen für unsere globalen ökologischen wie sozialen Krisen zu entwickeln und vor allem zu verbreiten. Andererseits ist das, was wir konventionell unter „Bildung“ verstehen, nämlich Schulen, Universitäten, Lehrpläne, Lehrmaterial etc. nach wie vor stark von den Annahmen geprägt, die uns u.A. in diese Krisen geführt haben (z.B. Konkurrenzdenken, unhinterfragte Expert*innenkultur, Marktfixierung, Technologie als Lösung für alle Probleme etc.). Bildung befindet sich also gewissermaßen im Dilemma.
Deshalb ist es für uns wichtig, unser Verständnis von „Bildung“ zu hinterfragen und uns damit zu beschäftigen, welche Art von Bildung Potenziale beinhaltet, eine sozial-ökologische Transformation zu unterstützen und in Zukunft ein gutes Leben für alle zu ermöglichen.

Für uns ist eine entscheidende Frage dabei: Wer bestimmt, was und wie wir lernen – und was nicht? Also die Frage nach der Macht. Diese wird in vielen Konzepten einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung aus unserer Sicht zu wenig gestellt. Sie ist aber auf verschiedensten Ebenen relevant: Auf globaler Ebene sowie im Klassenzimmer. Bestehende Machtverhältnisse blockieren eine sozial-ökologische Transformation weil dadurch vor allem eine privilegierte Perspektive bestimmt, was als Problem wahrgenommen wird und welche Lösungen gehört und verfolgt werden. Für eine Transformation in unserem Sinne müssen wir deshalb in und mit Bildung Machtverhältnisse hinterfragen und damit verbundene Diskriminierung wie Rassismus, Sexismus und Klassismus benennen. Eine kritische und emanzipatorische Bildung nimmt solche Zusammenhänge in den Blick, hinterfragt die vermeintliche Alternativlosigkeit gesellschaftlicher Verhältnisse und macht Alternativen erfahrbar.

In der direkten Lernsituation spielen Machtverhältnisse für uns eine Rolle, wenn es darum geht, welche Inhalte und Sichtweisen thematisiert werden – und welche nicht. Uns ist bewusst, dass dabei in der Beziehung von ‚Lehrenden‘ und ‚Lernenden‘ in der Regel ein Machtgefälle besteht. Bildung im Kontext einer sozial-ökologischen Transformation beinhaltet für uns, dieses Machtgefälle kritisch zu hinterfragen und Ansätze für selbstbestimmtere Lernräume zu finden.
In diesem Sinne verstehen wir Bildung im Kontext einer sozial-ökologischen Transformation als eine kritisch-emanzipatorische politische Bildung. Das Fragezeichen am Ende des Titels hat für uns dabei zwei Bedeutungen: Einerseits drücken wir damit aus, dass für uns Bildung nicht ‚instrumentell‘ gemeint sein kann. Das Ziel einer kritisch-emanzipatorischen Bildung liegt für uns vielmehr darin, durch ‚Irritation‘ und ‚Inspiration‘ Menschen zum Hinterfragen, Widersprechen, Anders-Denken und Ausprobieren zu ermutigen. Andererseits sagt es aus, dass wir gemeinsam mit anderen Akteuren, die z.B. die Konferenz mitgestalten, auf der Suche nach ‚guten‘ Lernformaten und -orten sind und diese gemeinsame Suche sicher auch nach der Konferenz noch nicht abgeschlossen sein wird. Wir freuen uns auf ein gemeinsames Weiterarbeiten an der Idee Transformativer Bildung.